Einleitung
Heute wollte ich euch mal einen kurzen Einblick in die Tierwelt geben. Genau gesehen, möchte ich heute über Rennmäuse sprechen. Hierbei handelt es sich aber nicht um alle Arten, sondern um die mongolische Rennmaus.
Ich beheimate ja jetzt schon seit über einem Jahr 7 süße Rennmäuse. Der ein oder andere wird sich jetzt sicher fragen, warum ich soviele habe. Nun, geplant hatte ich damals eigentlich nur 2 Weibchen. Allerdings bekam eine von ihnen einen Durchfall, von dem sie sich nicht mehr erholt hat und letztenendes starb. Da man Nagetiere nicht alleine halten sollte (außer Hamster), bin ich los und habe mir noch 2 weitere dazu geholt, laut Zoohandlung auch Weibchen. Also habe ich mal blind darauf vertraut, die beiden mit der einen vergesellschaftet und ja, einige Monate später konnte ich dann beobachten, wie die vermeintlichen Weibchen hinter dem anderen Weibchen hinterher rannten und sie begatteten. Gut 25 Tage später war dann Nachwuchs da. Seitdem habe ich jetzt einen Clan aus 3 Männern und einen aus 4 Weibchen.
Über die Art
Die mongolische Rennmaus (Meriones unguiculatus) ist ein Nagetier, das Umgangssprachlich auch als Gerbil, Wüstenspringmäus oder Rennmaus bezeichnet wird.
Ihre Heimat liegt, wie der Name schon verrät, in der Mongolischen Steppe. Dort leben sie in größeren Familiengruppen, die auch als Clan bezeichnet wird. Als Zuhause bauen sie sich große und weitverzweigte Tunnelsysteme, wo sie ihr Schlafnest und Nahrungskammer haben. Sie ernähren sich größtenteils von Saaten und Energiearmen Nahrungsmitteln, die sie in der Steppe finden. Eine durchschnittliche Rennmaus ist ca. 10cm groß und wiegt bis zu 100g. In der freien Wildbahn kann sie theoretisch bis zu 8 Jahre alt werden, wegen Fressfreinden wird sie aber meist nur 1 Jahr alt. In Gefangenschaft ist ein Alter zwischen 3-4 Jahren möglich.
Das Verhalten
Rennmäuse sind sehr gesellige und soziale Tiere, weswegen man sie niemals alleine halten sollte. Im folgenden möchte ich ein wenig genauer über die üblichen Verhaltensweisen der Mäuse aufklären.
Rangordnung
Jedes Mitglied eines Clans besitzt eine Rangordnung in diesem. Der Rang wird immer wieder durch kleinere Streitereien geklärt. Bei dem Prozess kann es teilweise recht heftig abgehen, man sollte also genau beobachten ob sie sich im Kampf nur um den Rang streiten oder ernsthaft verletzen wollen. Mit der Zeit wird man das aber einschätzen können.
Manchmal kommt es auch vor, dass die Tiere sich hinterher rennen und es aussieht, als würde die eine die andere begatten. Das ist aber nicht der Fall, die stärkere Maus möchte die schwächere somit unterwerfen. Wenn die Ordnung geklärt ist, wird die Rangschwächere Maus oft auch von der anderen geputzt.
Der Geruchssinn
Um zu unterscheiden, welche Maus zum eigenen Clan gehört, besitzen diese einen ausgeprägten Geruch. Hier kann man oft beobachten, dass sich die Tiere untereinander am After oder am Bauch beschnuppern. Unter dem Bauch ist übrigens die Duftdrüse der Rennmaus, die einen Duft aussondert, der von den Gruppenmitgliedern wahrgenommen wird. Außerdem markiert die Ranghöchste Maus ihr Territorium. Dabei sieht es so aus, als würde sie mit dem Bauch auf dem Boden rumrutschen.
Fiepsen
Meistens unterhalten sich die Tiere über eine Tonfrequenz, die vom Menschen gar nicht mehr wahrgenommen werden kann, teilweise aber hört man auch mal lautes gefiepse.
Das kann unterschiedliches bedeuten, wie z.B. wenn eine Maus signalisiert das ihr es gefällt, geputzt zu werden, eine Maus im Nest auf sie rumtrampelt oder auch mal während einer Streiterei.
Trommeln
Ein weiteres Verhalten, dass man nicht bei vielen Tieren sehen kann, ist das sogenannte Trommeln. Hierbei klopfen die Mäuse mit ihren Hinterpfoten rhytmisch auf den Boden. Dies soll andere Clanmitglieder vor Gefahren warnen. (Teilweise verstecken sich bei mir dann auch die Tiere aus dem anderen Clan.)
Zum anderen wird es auch noch während der Paarung verwendet.
Baden
Anders wie wir, baden die Rennmäuse nicht im Wasser. Ihre Fellpflege verrichten sie, in dem sie sich in einem feinkörnigen Sand wälzen.
Diesen Sand kennen wir quasi als Vogelsand, bzw. Chinchilla-Sand.
Natürlich kann man auch noch andere Verhaltensmuster beobachten, aber die oben erklärten sind soweit die Wichtigsten.
Ernährung
Im groben könnte man eigentlich sagen, dass Rennmäuse Vegetarier sind. Größtenteils ernähren sie sich von Saaten, Körner, Gräsern und teilweise auch Frischfutter.
Hierbei möchte ich einmal aufzeigen, was ich meinen Schützlingen füttere:
- Wellensittichfutter
- Kanarienfutter
- Exotenfutter
- Vitafit Rennmausfutter
Das Futter misch ich mir immer selber zusammen (Fressnapf), versuche jeweils immer eine geregelte Menge von jedem zu nehmen. Das Futter von Vitafit mische ich ebenfalls mit drunter. Eigentlich ist es ja Alleinfutter, allerdings beinhaltet es mir zuviele Dickmacher, (Sonnenblumenkerne etc.) weswegen ich es untermische.
Pro Rennmaus sollte man am Tag etwa 1 1/2 – 2 Esslöffel Futter ins Streu untermischen.
Zusätzlich kann man ihnen Frischfutter anbieten. Hier sollte man aber größtenteils auf Obst verzichten, da dieses zuviel Zucker enthält und den Mäusen schadet. Bei Gemüse sollte man ebenfalls drauf achten, keines zu geben, was blähend ist. (Also Kohl z.B.)
Eine Liste mit geeignetem Futter findet ihr am Ende des Artikels.
Einstreu & Badesand
Streu
Da die Tiere sehr gerne Tunnel graben, sollte die Höhe des Einstreus bei mindestens 15cm liegen.
Als Einstreu empfiehlt sich Holz- oder Hanfstreu und Heu. Auf Sand als Einstreu sollte man verzichten, da dieser schnell anfängt zu stinken und keine Tunnel gebaut werden können.
Badesand
Beim Badesand sollte man ebenfalls aufpassen. Vogelsand ist eigentlich eher ungeeignet, da dieser Muschelgrit und oft Gerüche enthält. An dem Grit können sich die Mäuse verletzen und der Geruch irriert die anderen Gruppenmitglieder eventuell. Chinchillasand ist da schon besser geeignet, da er ohne Muschelgrit und Geruchszusätzen kommt.
Vor der Anschaffung
Bevor man sich überlegt, ob diese geselligen Tiere etwas für einen sind, sollte man noch einige Sachen bedenken:
- Hat man genügend Platz um ein Aquarium/Terrarium und eventuell ein zweites hinzustellen?
- Hat man genügend Zeit sich um die Tiere zu kümmern? (Füttern, Reinigen, evtl. Auslauf)
- Hat jemanden der sich kümmert, wenn man mal in den Urlaub fährt?
- Hat man keine Allergie gegen Heustaub oder Gräser?
- Kann man sich an eventuellen “Lärm” der Tiere gewöhnen?
Wenn man all diese Punkte soweit bejahen kann, ist der erste Grundstein für die Anschaffung gelegt.
Die Gruppengröße
Grundsätzlich sagt man, dass eine Gruppe aus 2 gleichgeschlechtlichen Mäusen am besten funktioniert. Anfängern empfehle ich, diesen Rat auch zu befolgen, da es bei größeren Gruppen schneller zu Streitereien kommen kann und man deswegen immer ein zweites Aquarium parat haben sollte, worin man die Gruppe zur Not teilen kann.
Desweiteren sollte man niemals eine Gruppe mit männlichen und weiblichen Rennmäusen halten, es sei denn, man möchte gezielt Nachwuchs haben. Falls man sich nicht sicher ist und es doch zu einer Paarung kam, muss das Männchen spätestens ein paar Tage bevor die Geburt stattfindet rausgenommen werden, da ansonsten eine erneurte Paarung kurz nach der Geburt wahrscheinlich ist.
Geschlechterunterscheidung
Die Unterscheidung der Geschlechter ist teilweise ein wenig trickreich. Im jungen Alter kann man sie eigentlich kaum unterscheiden, da die Geschlechtsteile noch am wachsen sind.
Bei ausgewachsenen Tieren kann man es aber mit ein wenig Erfahrung schnell herausfinden. Die Weibchen werden mit rund 8 Wochen geschlechtsreif, die Männchen mit 10 Wochen.
Jede Rennmaus hat einen After, sowie einen Geschlechtszipfel.
Bei den Weibchen ist der Abstand zwischen diesen recht gering, währenddessen er bei Männchen weiter auseinander liegt. Weiterhein kann es sein, dass die Hoden bei einem Männchen mit der Reife hervortreten.
Die richtige Heimat
Rennmäuse möchten viel Platz und Buddelmöglichkeiten. Deswegen empfiehlt es sich, gleich ein Aquarium zu nehmen, dessen Größe mindestens 80x40x40cm ist. (Besser wäre natürlich ein 100x40x40)
Außerdem ist es sehr sinnvoll, noch einen Deckel dafür zu bauen, der die Mäuse daran hindert, auszubrechen.
Aquarien sind nicht ganz billig, neuwertige können schonmal mehrere 100€ kosten. Hier rate ich, mal einen Blick in die lokale Zeitung zu werfen, oder auf Kleinanzeigemärkten zu schauen. Ich habe damals ein 80x40x50er geschenkt bekommen und ein 100x40x40 für rund 20€ gekauft. Alternativ könnte man sich auch überlegen etwas eigenes aus Holz, Plexiglas und Volierendraht zu bauen. (Man müsste eben nur ausrechnen, ob es sich lohnt.)
Hat man dann endlich das gewünschte Heim Zuhause stehen, können wir mit der Einrichtung fortfahren.
Die richtige Einrichtung
Noch ist unser Aquarium leer. Das soll sich jetzt aber ändern. Machen wir zuerst mal eine kleine Checkliste, was wichtig ist und was optional mit reinkönnte. Wichtige Sachen sind hierbei mit einem (!) versehen:
- Eine hohe und große Etage (Abstellmöglichkeiten für Näpfe etc.) (!)
- Unterschlupfmöglichkeiten (Häuser aus Holz, Tontöpfe mit Loch) (!)
- Wasserquelle (Entweder einen kleinen Napf oder eine Trinkflasche) (!)
- Sandbad (Am besten eignet sich ein Bonbonglas) (!)
- Futternapf (Braucht man nicht unbedingt, Futter kann auch direkt ins Streu gegeben werden)
- Klettermöglichkeiten, Nagemöglichkeiten (Röhren aus Holz, aufgehangene halbe Kokosnuss, Mangrovenwurzel, Sisalseil (unbehandelt), Papprollen)
- Laufrad (Beachtet bitte, dass es mindestens einen 30cm Durchmesser hat und keinen Schereneffekt)
- Zweites Aquarium mit Röhre verbunden (Wenn man ein zweites besitzt, könnte man dieses nur mit Streu füllen und im ersten nicht soviel Streu reingeben.)
Im folgenden werde ich jetzt teilweise nochmal genauer auf die einzelnen Punkte eingehen, um sie ein wenig besser zu erklären.
Die Etage(n)
Diese sind sehr wichtig in einem Aquarium, da der Boden mit viel Streu bedeckt sein wird. Eine Etage sollte hoch genug sein, damit sie von den Mäusen nicht zugebuddelt wird.
Hierauf sollte man das Sandbad, Wasserquelle und Futternapf bzw. Laufrad draufstellen.
Unterschlupfmöglichkeiten
Ebenfalls sehr wichtig, damit die Mäuse sich bei Gefahr verstecken und auch als Nest benutzen können.
Klettermöglichkeiten, Nagemöglichkeiten
Da die Mäuse ein ausgeprägtes Nagebedürfnis haben, bietet es sich an verschiedene hölzerne Gegenstände hineinzustellen. Mangrovenwurzeln, ausgehöhlte Baumstämme oder leere Papprollen eignen sich dafür besonders gut.
Sollte die Einrichtung jetzt soweit fertig im Aquarium stehen, füllt ihr das Einstreu und Heu ein, stellt das Sandbad bereit, etwas Futter und eine Wasserquelle. Wundert euch aber nicht, wenn das Aquarium nach ein paar Tagen total anders aussieht, als wie ihr es eingerichtet habt. Die Mäuse sind in dem Fall Baumeister und gestalten es nach ihren Wünschen um.
Der Einzug
Wenn ihr jetzt die Mäuse geholt habt, sei es von einem Zoohandel oder privatem Züchter, geht es nun an den Einzug in die Heimatlichen Gefilde. Setzt die Racker vorsichtig in ihr neues Heim und lasst es sie erkunden. Die erste Zeit sollte man sie erstmal komplett alleinelassen und sie nicht stören, da eine neue und ungewohnte Umgebung Stress für die Tiere ist.
Wenn sie sich dann an ihr Heim gewöhnt haben, kann man vorsichtig mit der Hand reingehen. Dabei sollte man beachten, dass man niemals schnelle und ruckartige Bewegungen macht, da die Tiere ansonsten beißen und/oder flüchten. Dieses Verhalten zeigen sie, da sie denken, die Hand sei ein Fressfeind.
Beschäftigung und Zähmung
Beschäftigung
Damit die kleinen Mäuse keine Langeweile bekommen, kann man ihnen ab und zu ein paar Beschäftigungsmöglichkeiten bieten. Dabei sind sie schon total fröhlich, wenn sie an einer leeren Papprolle nagen können. Damit man es ihnen schmackhafter machen kann, kann man zusätzlich ein wenig Futter in Klopapier eingewickelt werden und in die Papprolle gesteckt werden. Das fördert den Beschäftigungsdrang und gleichzeitig haben sie Futter und Nistmaterial.
Ach ja, Klopapier lieben sie übrigens. Es wird gleich zernagt und in ihr Nest gebracht. Weitere Ideen für Beschäftigungsmöglichkeiten findet ihr am Ende des Artikels.
Zähmung
Zähmen? Ja, richtig gehört. Teilweise können Rennmäuse handzahm werden. Jedoch brauch dieser Prozess einige Zeit und nicht jede Rennmaus wird zahm.
Man sollte damit beginnen, seine Hand in das Aquarium zu legen, so dass die Tiere sich an sie gewöhnen. Als besonderen Reiz kann ein wenig Futter draufgelegt werden.
Wenn sie sich daran gewöhnt haben und auf der Hand sitzen bleiben, kann man vorsichtig versuchen die Hand ein wenig anzuheben. Jedoch sollte man darauf achten, nicht zu schnell und nicht zu hoch zu gehen, da man immer mit rechnen muss, dass die Mäuse abspringen.
Krankheiten
Diesen unschönen Bereich möchte ich nur mal kurz anreißen, da er dann doch zu komplex ist.
Es kann vorkommen, dass die Rennmäuse auch mal krank werden. Dies ist natürlich nicht schön, weder für das Tier, noch für den Halter.
Da es einige Krankheitsbilder gibt und es zuviel werden würde, diese alle aufzuzählen, wollte ich jetzt einfach mal nur ein paar Symptome aufzählen, die meistens zu einer Krankheit führen.
- Apathie – Sitzt die Rennmaus die größte Zeit alleine in der Ecke und ist lustlos?
- Gewichtsabnahme – Nimmt die Maus in kurzer Zeit viel ab?
- Dreckiges, aufgeplustertes Fell – Sieht das Fell dreckig aus oder ist verwuschelt?
- Halboffene Augen – Sind die Augen nicht komplett offen?
- Durchfall – Ist der Kot dünnflüssig und der After des Tieres kotverschmiert?
- Klickgeräusche beim Atmen – Klickt es beim Atmen? Anzeichen einer Erkältung
- Kahle Stellen im Fell, häufiges Kratzen – Milben oder ähnliche Parasiten im Fell?
- Verdickte Stellen am Körper – Tumor?
Dies sind alles so generelle Symptome, die zu einer Krankheit passen. Werden also ein oder mehrere Symptom beobachtet, sollte man schnellstmöglich einen Gang zum Tierarzt erwägen. Da Rennmäuse sehr klein und anfällig für Krankheiten sind, führt so gut wie jede davon zu einem qualvollem Tod.
Schlusswort
So, dass war es dann erstmal. Ich hoffe dass ich euch einen ersten Einblick in die Welt der mongolischen Rennmäuse vermitteln konnte und den ein oder anderen dazu bewegt habe, sich zu überlegen, auch Rennmäuse zu halten. Die oben angesprochenen Themen habe ich allerdings immer nur kurz angerissen und die wichtigsten Dinge zusammengefasst. Da viele sicher noch einige Fragen haben werden, habe ich nachfolgend noch eine kleine Linkliste zu divsersen Informationen bereitgestellt. Diese verlinken größtenteils auf die Community von rennmaus.de – Dort gibts es zahlreiche und ausführliche Informationen, sowie ein Forum in dem eure Fragen schnell beantwortet werden.
Links
Basiswissen über die mongolische Rennmaus – http://www.rennmaus.de/informationen/basiswissen/
Haltung der Rennmaus - http://www.rennmaus.de/informationen/haltung/
Futterliste – http://www.rennmaus.de/informationen/haltung/ernaehrung/futterliste/
Gesundheit & Krankheiten – http://www.rennmaus.de/informationen/gesundheit/
Nachwuchs – http://www.rennmaus.de/informationen/nachwuchs/
Bauen für die Rennmäuse – http://www.rennmaus.de/informationen/tooltime/
Fressnapf Zoohandel – http://www.fressnapf.de/
Zooplus Onlinehandel – http://www.zooplus.de/
